Ludwig Bechstein

Das Ackersteinkreuz

Nicht gar weit von den Ruinen der Burg Strauf und von Streufdorf ist eine Stelle im Waldgeheg, an welcher einst ein Jüngling seinen Tod fand und begraben wurde. Seine trauernde Geliebte wollte sein Andenken ehren durch ein bleibendes Gedächtnißmal; doch fehlten ihr dazu die Mittel. Da gab ihr die Liebe einen Gedanken ein, den sie auszuführen nicht säumte. Sie legte mit sorgsamer Hand ein Kreuz aus Ackersteinen auf die Trift. Und wie oft es geschah, daß Bosheit oder Muthwille das Kreuz auseinander riß und zerstörte, die Hand der Liebe war rastlos thätig, das Kreuz fort und fort zu erneuen, bis das Mägdlein starb.

Darauf hat das Volk jenes Kreuzes Erhaltung wie ein stilles Vermächtniß übernommen, und immerdar die Lücken wieder ausgefüllt, die durch Menschenhand oder sonstigen Zufall in dem Steinkreuze entstanden. So hat das Kreuz lange am Wege gelegen, und ist zum frisch im Volksgedächtniß fortlebenden Sagenzeugen geworden.