Ludwig Bechstein

Kloster Theres

Da wo später das Kloster Theres errichtet wurde, zwischen Haßfurt und Schweinfurt, lag vor alten Zeiten ein stattliches Schloß, welches dem Babenberger Grafen Adalbert gehörte, das führte den Namen Sonderishus/ und dort habe Adalbert ein Kloster gegründet. Alte Geschichtschreiber haben ausgesagt, daß Graf Adalbert, der durch des Mainzer Bischofs Hatto schändlichen Verrath in seines Feindes Gewalt gekommen war, dort in seinem eigenen Hause enthauptet worden sei. Dieses verneinen Andere und sagen, Adalbert sei im Feldlager unterhalb der Babenburg enthauptet und sein Leichnam nach der Enthauptung in die Fluthen des Mains geworfen worden. Die Bewohner des Schlosses aber hatten Kunde von der Unthat, zogen den Leichnam, den die Wellen trugen, aus dem Wasser und riefen weinend: „Der is, der is!" (dieser ist es!) und darnach sei der Ort Theris, später Theres genannt worden. In der Klosterkirche wurde Adalbert feierlich beerdigt und ihm ein stattliches Epitaphium errichtet; es stand an der Wand, linker Hand gegen den Hochaltar, und der Graf war darauf abgebildet in seinem Harnisch und lebensgroß, stehend auf einem liegenden Löwen, und darum oder darunter die Worte: Anno Domini DCCCCVIII obiit nobilis Albertus comes de Babenberg qui hic jacet incinneratus monasterii hujus fundator opum quantam dator, cujus anima requiescit cum sanctis. Amen.*) Nach der Zeit ist die Kirche sammt dem Kloster neu gebaut worden, und man weiß nicht, wohin das Epitaphium gekommen.

*) Im Jahr des Herrn 908 starb der edle Albert, Graf von Babenberg, dessen Asche hier beigesetzt wurde, dieses Klosters Gründer, ein Geber reicher Güter, dessen Seele ruhe mit den Heiligen. Amen.