Ludwig Bechstein

Seifriedsburg

Es war ein Hirtenjunge, Fritz mit Namen, den seine Genossen Sau-Fritz nannten, weil er die Schweine hütete. Einst schwemmte er seine Heerde im klaren Wasser der fränkischen Saale. Da fand er einen Stein, womit er sich rieb, und der machte ihn fest gegen Hieb und Stich. Er ging in den Krieg und that, zumal er unverwundbar war, Thaten der Tapferkeit, und erwarb Rang und Reichthum. Vom Herrn des Gaues empfing er Erlaubniß, sich eine Burg zu erbauen, und wählte die Stätte seiner Heimath, wo er unterhalb seines Geburtsortes auf demselben Berg eine Burg aufführen ließ, die nun nach seinem Jugendspitznamen sammt dem Dorfe Säufritzburg benannt ward, daraus später die Schreibart Seifriedsburg geworden.

Lange stand die Burg, als einst ein schweres Unwetter heranzog, wie gerade das Burggesinde im Heuen/ war. Alles eilte hastvoll nach Hause, eine kecke Magd aber blieb und rief:

„Ei, es mag donnern oder blitzen,

So muß ich meinen Heuhaufen spitzen!"

Alsbald fuhr ein Wetterstrahl aus dem Gewölk, der die Magd niederschlug, und die Burg in Brand steckte, und das Wetter riß das Heu auf der ganzen Wiese vom Berg ins Thal hinab. Seitdem ist Seifriedsburg eine Trümmer, doch das Dorf führt den Namen fort.