Der himmelanragende Hochgipfel der Rhön, das stolze, weitgenannte Riesenhaupt dieses Gebirges ist der heilige Kreuzberg; er wird der Ursitz des Lichtes der Christus-Lehre genannt, dessen Strahlen von ihm aus über das alte Frankonien sich verbreiteten. Eine fromme Sage läßt/ den heiligen Kilian mit seinen beiden Gefährten Colonat und Totnan zuerst diese Gefilde betreten, den heidnischen Kult verdrängen und vernichten, und das Symbol des christlichen Glaubens, ein Kreuz, auf den damals unwirthbaren Gipfel aufpflanzen. Doch vergingen Jahrhunderte, bevor dieser Berg seinen jetzigen Namen empfing. Aschberg nannte ihn das Volk, und nicht unmöglich wäre es, daß er als Asenberg in der Heidenzeit der germanischen Frühe schon den Umwohnern zu ihrem einfachen Naturtempeldienst, gleich andern Hochwarten deutscher Gebirge, heilig gewesen. Als das Jahr, in welchem St. Kilian mit seinen Genossen in diesen Gegenden erschien, wird 668 angegeben. Sie fanden am Fuße des Berges friedliche Ansiedler, welche die Fremden, die kamen, um das zu bekehrende Land zu überschauen und kennen zu lernen, gastlich aufnahmen, und mit offenen Gemüthern den Verkündigungen lauschten, welche die heiligen Männer ihnen brachten. Bald strömten Hörer ihrer Lehre aus den Nachbargauen herbei, und das Christenthum begann Wurzel zu schlagen. Und als die Gottesmänner in Würzburg den Märtyrertod erlitten hatten, als das Heidenthum den jungen Baum der Christuslehre dort wieder mächtig überwucherte, soll in den Wäldern und Hainen um den Kreuzberg sich die neue Christengemeine heimlich zusammengefunden und dem Heiland unter einem Kreuze da gedient haben, wo jetzt die Wallfahrtkirche steht. Noch wird der Kilianshof am Fuße des Kreuzberges als die Stätte genannt, die dem Heiligen ein schirmendes Obdach verlieh; noch zeigt man den Kilianskopf, darauf er gepredigt, und den Heilbronn, daraus er die Heiden getauft haben soll./
Die Jahrhunderte zogen vorüber, auch das Kreuz auf dem Aschberge sank, und erst nach der Reformation ließ der glaubenseifrige Fürstbischof Würzburgs, Julius Echter von Mespelbrunn, ein neues steinernes Kreuz an der Stelle des ehemaligen errichten, und verordnete, daß an kirchlichen Festtagen einige Priester Gottesdienst auf dem Berge halten sollten, dem dann fromme Waller in Schaaren zuströmten. Eine ärmliche Kapelle erhob sich und in dürftigen Hütten mußten sich die Geistlichen gegen die oft rauhe Witterung schirmen. Im Jahre 1644 erbaute Fürstbischof Joh.(ann) Philipp Graf von Schönborn ein kleines Kloster in Bischofsheim für sechs Franziskaner, die im Winter dort, im Sommer aber auf dem Berge wohnen sollten, und im Jahre 1679 wurde unter Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach eine raumvollere Kirche und ein Kloster für zwölf Conventualen am nördlichen Bergesabhang, nahe dem Gipfel erbaut. Die Wallfahrten wuchsen, und das Kloster blieb erhalten als ein Denkmal der Einführung des Christenthums durch den Apostel des Frankenlandes; es wurde im Laufe der Zeiten verbessert, erweitert, und ist noch heute, wenn auch mit verminderter Anzahl der Väter, den Frommen eine hochverehrte Stätte, dem Naturfreund ein willkommenes Asyl und Hospiz, darin jeder gebildete Fremde, ohne Unterschied der Confession, mit der dankenswerthesten Gastlichkeit und Freundlichkeit sich aufgenommen und bewirthet sieht. Ein riesengroßes Holzkreuz, das von Zeit zu Zeit der Erneuerung bedarf, ragt viele Meilen weit sichtbar, vom höchsten Punkte des Berges empor, und gibt der alten Sage, daß von dieser Höhe das Christenthum den Bewohnern Frankens eben so geleuchtet, wie von der über Altenberga im/ Thüringerwald durch Bonifacius den Thüringern – eine würdige und schöne Bestätigung.