Als die Kirche zu Dittis erbaut wurde, ging allerlei absonderlich Komisches dabei vor. Die Kirche war zwar erbaut, aber die Fenster waren vergessen, und so kam es, daß Niemand vor Dunkelheit darin sehen konnte. Lange ward hin und her berathen, wie es wohl anzufangen sei, den Tag in die Kirche zu bringen, und endlich nach/ vielen Debatten über Für und Wider, wurde von dem weisen Ortsvorstand beschlossen, einen expressen Boten nach Fulda zu schicken, daß dieser dort dem löblichen Magistrat die Verlegenheit der guten Dittisser vortrage, oder schriftlich überreiche, und bitte, ihm den Tag für die Kirche mitzugeben. Der Bote war etwas lahm und hatte nicht das beste Gedächtniß, vielmehr ein sehr schlechtes. Dennoch richtete er seinen Auftrag getreulich aus. Der Rath in Fulda berieth über das Gesuch der Dittisser, belächelte ihre Schwachheit, und gab dem Boten die mündliche und sehr verständige Antwort: „Sage den guten Dittissern unsern Gruß, und sie sollten nur Fenster in ihre Kirche machen, so würde dann der Tag, der sich nicht in Säcken verschicken lasse, schon von selbst hinein fallen."
Der Bote, dem dieser Satz zu lang war für sein kurzes Gedächtniß, gedachte sich hauptsächlich das Hauptwort zu merken, Fenster, und immer vor sich hinsprechend, „Fenster, Fenster," langte er auf dem großen Hutrasen, oberhalb Dittis, an, stolperte und fiel, und zugleich entfiel ihm das Wort. Als er wieder aufgestanden war, suchte er eine ganze Weile, konnte aber das Wort nicht wiederfinden, kehrte traurig nach Dittis zurück, und klagte seinen Verlust. Da machte sich das ganze Dorf auf mit Hacken und Schaufeln und grub nach dem verlorenen Tag, und es wurden tiefe Löcher gewühlt, bis sie endlich das Wort wieder fanden, und frohlockend den Tag in die Kirche nach Dittis brachten. Auf dem Hutrasen sieht man noch die Spur jener Löcher, aus denen die guten Dittisser den Tag gruben; ich bin selbst darüber hin gegangen.