Die Milsburg oder Milseburg ist ein mächtiger Klingsteinberg der Rhön, den man in weiter Ferne mit seiner eigenthümlichen Form über seine Nachbarberge emporragen sieht. Diese Form gleicht einem der hochgethürmten Heuwagen, welche im Juni so zahlreich von den grasreichen Flächen des Hochgebirges in die näheren und ferneren Thalorte fahren, und heißt deßhalb das Heufuder. Er gleicht aber auch einem Sarge, und wird darum vom Volk die Todtenlade genannt. Gleich andern Hochgipfeln dient der Berg den Umwohnern als Wetterprophet, und diese sagen stets richtig Regenwetter voraus, wenn die Milseburg raucht, oder nach dem Ausdruck des gemeinen Mannes: Klöse kocht. Viele Heilkräuter und sonstige seltene Pflanzen wachsen auf diesem Berge, und viele Sagen gehen von ihm im/ Munde des Volkes um. Da der heilige Gangolfus diesen Berg zum Lieblingsaufenthalt erwählt haben soll, so heißt er auch der Gangolfsberg, und es wurde die auf seiner Höhe stehende kleine Wallfahrtskapelle, welche im Jahre 1493 erbaut sein soll, diesem Heiligen geweiht. Vor langen Zeiten stand auf der Höhe des Berges eine Ritterburg, bewohnt von wilden Raubgesellen, die auf dem von der Natur durch fast unersteigliche Klippen geschirmten Felsenhorst lange ungestraft ihre Unthaten zum Schrecken der ganzen Gegend verübten. Wer diese Burg erbaute, und wann sie zuerst erbaut wurde, weiß Niemand zu sagen; sie war aber eine der ältesten Burgen des Gaues, denn schon im Jahr 980 geschieht ihrer in einer Urkunde des Kaisers Otto II. Erwähnung. Zu Anfang des zwölften Jahrhunderts war sie ein Besitzthum des Landgrafen Ludwig von Thüringen. Dieser fing im Jahr 1114, als die Wartburg von Kaiser Heinrich V. hart belagert wurde, den im Gefolge des Kaisers mitgezogenen Abt Wolfhelm von Fulda, und hielt ihn drei Jahre lang auf der Milseburg verstrickt. Später gewann ein tapfrer Abt, Namens Erlof, mit gewappneter Hand diese und noch eine andere, dem Hochstift entrissene Burg, und besetzte beide mit treuen Mannen, so wie er sie von Neuem befestigte. Als aber hernachmals die Milseburg wieder in Feindes Hände gekommen war, so wurde sie nochmals belagert, die Besatzung, die sich nicht ergab, ausgehungert und hierauf, als kein Vertheidiger mehr am Leben war, die Burg so zerstört und der Erde gleich gemacht, daß davon keine Spur mehr zu ersehen ist, und nichts von ihr blieb, als der Schall des Namens, die Echo des Rufes der Vergangenheit. – Dicht unter der/ Milseburg liegt die Lydenkuppel, auch darauf soll vor Zeiten eine Burg oder Warte gestanden haben.