Ludwig Bechstein

Die Wunderblume am Baier

Ein Kützenmacher*) ging einst am Baier da vorüber, wo man es bei der Schacht nennt, da fand er eine Blume von ausnehmender Schönheit. Er pflückte sie ab, und da er an die Wand der Schacht kam, so öffnete sich eine Thüre zu einem weiten und geräumigen Gewölbe. Der Mann trat hinein, und sah eine Menge Fässer, die mit Erbsen, Korn, Waizen, Gerste und andern Feldfrüchten gefüllt, in Reihen standen. Er legte/ die Blume, die er in der Hand hielt, auf ein Faß, und steckte sich einen Brodsack voll Erbsen, die ihm ein willkommenes Gericht abgeben sollten. Als er sich genug und sehr verwundert in dem Gewölbe umgeschaut, schickte er sich an, herauszugehen, da hörte er plötzlich eine Stimme laut rufen: Vergiß das Beste nicht! Darüber erschrickt der Kützenmacher so sehr, daß er eilend herausspringt, und hinter ihm schließt sich mit Donnerkrachen der Bergeseingang, hinter ihm aber schießt jählings ein schwarzer Hund her. Voll Angst schüttet der Mann seinen Sack mit Erbsen wieder aus und der Hund frißt sie alle auf, und bleibt zurück. Zu Hause angelangt, klingelt noch etwas im Sack. Er schüttelt ihn aus und es rollen einige goldne Erbsen auf die Diele. Hätte er die Blume nicht im Berge vergessen, konnte er überreich werden.

*) Kützen, Tragkörbe verschiedner Formen mit Achselbändern, zum Tragen auf dem Rücken.