Unter der Stoffelskuppe ist es auch nicht sicher; eine große Blöße heißt die Kuh-Eller; dort hüten die Roßdorfer Hirten. Eines Abends wandelte der Roßdorfer Schulze über diese Berges-Trift, da erblickte er auf der Waldblöße im Dämmerlicht zwei dunkle Männer, die in einiger Entfernung von einander gleichmäßg schritten, war froh, Gesellschaft zu finden, und näherte sich ihnen eilend. Jetzt entdeckte sein Auge, daß die beiden Männer einen übergroßen und mächtigen, baumartigen Balken auf ihren Schultern trugen, unter dessen Last Beide fast erlagen, und daß kaum zu begreifen war, wie ihrer Zwei eine so entsetzliche Last zu tragen vermochten. Deß wunderte den Mann gar sehr, daß in so später Stunde an so einsamer Stelle noch Jemand also bemüht war und er rief die Tragenden an mit lautem „Hollah! Wer seid ihr? Wo hinaus?" Die Männer hörten ihn nicht und antworteten ihm nicht. Noch einmal rief er: „Wer seid ihr, worauf geht ihr zu?" Tiefes Schweigen. Nun rief der Schulze zum dritten Mal noch lauter: „Heda ihr Männer? Wo wollt ihr hin?" Da scholl gleichzeitig von Beiden wie aus einem Mund und mit überaus schrecklicher Stimme die Antwort: Nach Ungnadhausen! Und die Männer wandelten hin, und verschwanden in die Nacht. Dem Frager aber kam ein übermächtiges Grausen an und er konnte, so lange er lebte, welches nicht gar lange mehr war, jenen Ton und jenes Wort nicht vergessen, das wie eine Stimme des jüngsten/ Gerichtes erklungen war. Auch Andere haben bisweilen jene Schwerbeladenen über die Waldblöße wandeln sehen, doch sich wohl gehütet, sie fragend anzureden.