Ludwig Bechstein

Von dem altfränkischen Götzen Lollus

Man lies't noch von einem angeblichen Heidengötzen, dessen Art und Name dem Frankenlande ganz allein eigen. Dieses ist Lollus, Löllus oder Lullus, dessen besondere Verehrung am Main, (bei der nachmaligen Stadt Schweinfurt) Statt gefunden haben soll. Man fand das Erzbild des Götzen, gestaltet als einen Jüngling, goldhaarig und gelockt. Um den Hals hing über die Brust herab ein Kranz von Magsamenköpfen (Mohnsamen, sk). Mit der rechten Hand griff das Bild nach dem Munde, und faßte mit Daumen und Zeigefinger die Zunge; mit der linken hielt es einen Becher Wein, in welchem Korn-Aehren standen. Der Leib war ganz nackt, außer einem Schurz um die Lenden. In einem heiligen, umzäunten Haine zunächst dem Main-Ufer soll das Bildniß gestanden haben, und es sollen ihm vom Volke zu gewissen/ Zeiten Trauben und Aehren zum Opfer dargebracht worden sein. Noch nennt man heutigen Tages eine Stelle an der weingesegneten Mainleite das Löhle, oder Lölle.

Lollus soll zugleich mit der Diana im Frankenlande verehrt worden sein, von der man sagt, daß ihr Tempelheiligthum bis zur Ankunft des Frankenapostels Kilian über Würzburg auf dem Frauenberge gestanden habe. Die einzige Quelle über diesen Lollus, aus der alle Spätern, die über ihn geschrieben haben, schöpften, ist das dreibändige Werk eines Arztes: Dr. Joh.(ann) Laurent.(ius) Bausch: Collectanea chronologica Swinfurtensia. Tom. I. § 4. S. 4. Und Niemand weiß, wohin die Statue des angeblichen Götzen gekommen, noch wann, wie und wo überhaupt dieselbe aufgefunden worden ist.