Ludwig Bechstein

Bonifacius-Pfennige

Da der heilige Bonifacius in das Land an der Unstrut kam, wo er gar manche Kirche erbaute und einweihete, und die Bewohner dieses Landes zum Christenthume bekehrte, da half er auch den Thüringern durch sein Gebet zum/ Siege gegen die grausamen Hunnen, und wurden deren von den Thüringern so viele erschlagen, daß die ganze Unstrut sich als ein Blutstrom zeigte. Darauf ließ sich zahlloses Volk taufen und bekannte sich zur Lehre Christi; Einzelne jedoch blieben Heiden, wie es deren mitten im Schoose des Christenthums stets gegeben hat und noch immer giebt, selbst wenn sie getauft sein sollten – die wollten von dem Bekehrer wirkliches Brot, nicht das Brot des Heils, wirkliches Gold, nicht das Gold der guten Lehren, und da der fromme Mann trotz seiner wunderthätigen Kraft solches nicht spenden konnte, weil es ihm daran selbst gebrach, so warfen einstmals etliche dieser Heiden mit Steinen nach dem thüringischen Apostel. Darauf verwünschte derselbe in einer Anwandlung von Zorn alles Gold und Geld der Thüringer in Stein, und alsbald wurde jeder Pfennig zu einer Linse, deren findet man noch heute an der Sachsenburg, und an der Arnsburg über Seega, und auf der Hainleite besonders auf dem Gipfel, welcher der Bonifacius-Berg genannt wird, und die kleinen rundlichen Steine werden noch immer Bonifaciuspfennige genannt.