Albrecht (ca. 1240-1315, sk), Heinrich des Erlauchten Sohn, nahm zur Gemahlin Margarethen, Kaiser Friedrichs II. (1194-1250, sk) Tochter. Da hallte nach langem lautem Lärm des Krieges, die Wartburg von Freudenfesten wieder. Es hatte aber die junge Land/gräfin, die ihrem Geamhl mehrere Söhne schenkte, ihr Unglück selbst mit in das Haus gebracht in einem schönen Hoffräulein, das gefiel dem Mark- und Landgrafen nur allzuwohl, und immer mehr, bis beide auf tückischen Verrath sannen, Margarethen aus dem Wege zu räumen. Der Knecht, welcher mit dem Wartburgesel täglich aus der Stadt mancherlei Bedarf heraufholte, ward heimlich gedungen, als ein Teufelsgespenst zur Nacht in das Gemach der Landgräfin zu treten, und ihr das Genick zu brechen. Auch mußte er schwören, Niemandem den Anschlag zu veratehn. Aber diesen Knecht schlug das Gewissen und traute sich nicht der ungeheuern ruchlosen That, eine unschuldige wehrlose Frau, die er nie anders als gütig gesehen, und die selbst ihn, den geringsten der Knechte auf dem Hofe, freundlich gegrüßt hatte, im Schlafe hinzumorden, zögerte daher und bedachte sich lange. Das merkte der Landgraf und fragte ihn eines Abends verblümt aber streng: Hast du die Aernte geworben, die ich dir befohlen habe? – Deß erschrak der Knecht und antwortete: Herr, ich will sie werben! – und dachte bei sich: nun muß es geschehen – wie Gott will! – Und da es tiefe Nacht war, trat er in das Schlafgemach der Landgräfin, die ganz allein schlief, kniete an ihr Bette hin, und rief: gnädige Frau! Gnadet mir des Leibes! – Erschrocken fuhr Margaretha vom Schlummer auf und fragte: wer ist da? Wer bist du? – Und da sagte der Knecht ihr alles an, daß sie auf das heftigste erschrak, doch sprach sie gefaßt: rufe mir eilend den Haushofmeister, den Schenken Rudolf von Vargula! – Solches that der Knecht und Margaretha sprang vom Lager und kleidete sich eilend an. Und da der Schenk kam, fragte sie ihn heftig weinend um Rath. Den gab er ihr in Kürze. Sie solle an Gut und Geld einpacken, was tragbar sei. Dann wurden in aller Stille ihre Haushofmeisterin und eine ihrer Jungfrauen geweckt, die mußten eilend Bettgewand und Leilaken in lange Streifen schneiden, und an einander binden, und Margarethe ging in Begleitung des Schenken auf das gemalte Haus bei dem Thurme, wo ihre Söhne, Friedrich und Diezmann schliefen, und fiel auf ihr Bette und küßte sie unter heißen Thränen und biß vor Liebe und grausamem Schmerz den ältesten, Friedrich in die Wange, daß sie blutete, und fiel auf den zweiten, und wollte ihm auch also thun, doch der Schenk wehrte es ihr, und sie sprach unter strömenden Thränen: ich will sie zeichnen, daß sie an dieses Scheiden gedenken, so lange sie leben. – Nahm also den herzlichsten und schmerzlichsten Abschied von ihren Söhnen, davon Friedrich drei Jahre und Diezmann anderthalb Jahre alt war, und ward dann sammt dem Knecht und den beiden Frauen von dem Gange am heutigen Ritterhaus, das ist in der Vorderburg, wo des Commandanten Wohnung ist, aus einem Fenster in dunkler Nacht die hohe steile Mauer hinabgelassen, und mußten den schroffen Felsenberg hinabklimmen, und entwandern. Da gingen sie durch die Nacht und den grauenden Morgen südwestwärts durch die weiten Wälder, bis auf die Burg Krainberg bei Salzungen, die gehörte auch den Herren von Frankenstein, war aber jetzt halb dem Abte von Hersfeld, und dessen Burgmann nahm sie gastlich auf und ließ sie dann gen Fulda geleiten, zu dem Abt; der empfing als der Kaiserin/ Erzkanzelar die Tochter seines Kaisers mit allen Ehren, und geleitete sie gen Frankfurt in ein Frauenkloster, darin sie schon im nächsten Jahre vor Kummer und Herzeleid starb.