Im Dorfe Kolbek bei Halberstadt war vor langen Jahren ein Bauer, der hatte immer den Krug lieber als die Kirche, und trieb gern leichtfertige Sachen. So ließ er sich beigehen, in einer Christnacht mit noch funfzehn Kameraden, die er beredete, und drei Weibsbildern, während der Christmette auf dem Kirchhof einen Tanz zu halten mit lauten Juhu und Heisassa. Darauf trat der Pfarrer aus der Kirche und strafte die Tänzer, welche die heilige Weihnacht so freventlich entweihten, mit ernsten Worten, aber der Bauer kehrte sich nicht daran, vielmehr rief er dem Pfarrer spottend zu: du heißest Ruprecht, ich heiße Albrecht!
Sing' du drinnen deine Leichen*),
Wir singen und tanzen draußen unsern Reigen. –
Da hob der Pfarrherr seine Hände auf und rief: ei so wolle Gott und Sankt Magnus, daß ihr tanzen müßtet Jahr und Tag! – Und alsbald ging diese Verwünschung in Erfüllung. Die Tänzer vermochten nicht einzuhalten, nicht aufzuhören, fort und fort riß es sie hin mit Allgewalt, der Morgen kam und der Tag verging wieder – sie tanzten, und durch die Nacht hindurch tanzten sie, und am folgenden Morgen, und das immer so fort, Tag und Nacht.
*) Leich: Sangweise