Nun war der Knabe froh, nahm den Hahn und wanderte weiter. Abends kam er wieder in einem andern Dorfe zu einem Bauer[n] und bat um Herberge; er sprach: "Der Hahn ist all mein Reichtum, wird er mir nicht gestohlen werden?" - "Schlafe ruhig, mein Sohn", sprach der Wirt, "auf meinem Hof darf dir kein Schaden geschehen." Frühmorgens aber ging der Hahn im Hofe herum und suchte sich Körner, und wie er einige gefunden hatte, sah dieses das Schwein des Bauern, packte den Hahn und erbiß ihn, die Körner aber fraß es selbst. Als der Knabe am Morgen nach seinem Hahn sah, so lag [d]er tot, und er fing nun an zu jammern und zu klagen: "O weh mir, das Schwein hat meinen Hahn erbissen!" Da tröstete ihn der Bauer und sprach: "Nimm hin das Schwein,
Es sei nun dein,
Hat's den Hahn dir erbissen."
Da band der Wirt ihm ein Seil an den Fuß, und der Junge zog weiter. Abends gelangte er wieder in ein Dorf und sprach abermals bei einem Bauer[n] an, und da nahm man ihn freundlich auf. Er sagte aber zum Wirt[en]: "Mein ganzer Reichtum ist dies Schwein, wird es mir nicht gestohlen werden?" - "Schlafe ruhig, mein Sohn, auf meinem Hof darf dir kein Schaden geschehen." Als aber am Morgen eine mutige Kuh des Bauern das fremde Schwein im Hof sah, lief sie auf dasselbe los und erstieß es mit ihren Hörnern. Der Knabe erwachte bald, ging hinaus und sah sein Unglück; da fing er an zu jammern; doch der Bauer tröstete ihn und sprach: "Die Kuh ist dein,
Hat sie das Schwein Dir erstoßen!"
band ihr ein Seil um den Hals und übergab sie dem Knaben; der wanderte jetzt fröhlich weiter und gelangte abends auf einen Edelhof und bat um Herberge; die wurde ihm auch gerne gewährt. Der Knabe aber sprach ganz untertänig zum Herrn des Hofes, als er schlafen ging: "All mein Reichtum ist diese Kuh, wird sie mir nicht gestohlen werden?" - "Schlafe ruhig, armer Junge", auf meinem Hofe soll dir kein Schaden geschehen!" Als am Morgen die Pferde zur Tränke geführt wurden, sprang ein mutwilliger Hengst im Hof herum. Sowie er die fremde Kuh erblickte, lief er auf sie zu und schlug sie tot. Da fing der Junge an zu klagen und zu jammern, als er seine Kuh tot sah; der Edelmann aber tröstete ihn und sprach: "Nimm den Hengst für die Kuh
Und den Zaum dazu!"
Da setzte sich der Junge auf das stattliche Roß und ritt fort in die weite, weite Welt und verrichtete viele Heldentaten; zuletzt ist er noch auf den Glasberg geritten, hat die Königstochter erlöst und ist König geworden. Seht ihr's, was aus einem armen Jungen werden kann, wenn er's Glück hat!