Johann Wolfgang von Goethe

Byron's Don Juan

Mir fehlt ein Held! – »Ein Held, er sollte fehlen,
Da Jahr und Monat neu vom neusten spricht?« –
Ein Zeitungsschreiber mag sich schmeichelnd quälen,
So sagt die Zeit: es sei der rechte nicht.
Von solchen mag ich wahrlich nichts erzählen,
Da nehm' ich mir Freund Juan ins Gesicht;
Wir haben in der Oper ihn gesehen,
Früher als billig war, zum Teufel gehen.

Vernon, der Metzger Cumberland und Wolf so mit,
Auch Hawke, Prinz Ferdinand, Burgoyne auf's Beste,
Keppel und Howe, sie hatten ihre Feste
Wie Wellesley jetzt – der Könige Schattenschritt
Vom Stamme Banco's – Raben aus Einem Neste. –
Der Ruhm, die Lust zu herrschen reißt sie mit.
Dumouriez's, Bonaparte's Kampfgewinnsten,
Die Zeitung steht den Herren gleich zu Diensten.

Barnave kennt und Brissot die Geschichte,
Condorcet, Mirabeau und Pétion auch:
Clootz, Danton, Marat litten viel Gerüchte,
Selbst la Fayette, er ging beinahe in Rauch,
Dann Joubert, Hoche, vom Militär-Verpflichte,
Lannes, Desaix, Moreau. Es war der Brauch
Zu ihrer Zeit, an ihnen viel zu preisen;
Doch will das nichts für meine Lieder heißen.
Nelson war unser Kriegsgott, ohne Frage,
Und ist es noch dem herzlichsten Bekenntniß;
Doch von Trafalgar tönet kaum die Sage,
Und so ist Fluth und Ebbe wetterwendisch.
Denn die Armee ist popular zu Tage
Und mit dem Seevolk nicht im Einverständniß;
Der Prinz ist für den Landdienst, und indessen
Sind Duncan, Nelson, Howe, sie sind vergessen.

Vor Agamemnon lebten manche Braven,
So wie nachher, von Sinn und hoher Kraft;
Sie wirkten viel, sind unberühmt entschlafen,
Da kein Poet ihr Leben weiter schafft.
Von unsern Helden möcht' ich Niemand strafen,
Da Jeder sich am Tag zusammenrafft;
Für mein Gedicht wüßt' ich mir aber Keinen,
Und nenne so Don Juan mein, den Meinen.