Ludwig Bechstein

Vom Götzen Lollus

Im Bereich der sogenannten alten Stadt bei Schweinfurt, und zwar nicht weit von den langen Schranken, ist ein Platz gelegen, welchen das Volk Lollus oder Lollo nennt; ein andrer aber, näher gegen die jetzige Stadt zu, in der Nähe des Stroms, wo vor Alters ein Wald gestanden haben soll, wird das kleine Löllein oder das Lölle genannt. In diesem Hain soll einst in einer Umzäunung ein ehern Götzenbild gestanden haben, welches von den Einwohnern verehrt wurde und blutlose Opfer an Wein und Feldfrüchten empfing. Dieses Bild hieß Lollus und war gestaltet als ein nackter, geschürzter Jüngling; trug auf dem Haupte gelbes Lockenhaar, einen Kranz von Mohnsamen um den Hals und über die Brust, hob die rechte Hand zum Munde, faßte mit dem Daumen und Zeigefinger die Zunge, und hielt in der Linken einen Pokal empor, in welchem Kornähren standen. Ueber diesen Lollus haben die Gelehrten viel geschrieben, das Bild selbst aber ist hinweggekommen, Niemand weiß, wohin? Man vermuthet, es sei in den Main versenkt worden.