Ludwig Bechstein
Bienen retten Kissingen
Ein anderer steinerner Kopf am Kissinger Rathhaus ist, wie die Sage will, dem Andenken eines Bürgers, Namens Peter Heil gewidmet. Es war eben auch im Schwedenkriege, und zwar im Jahr 1643. Die Schweden hatten bereits die ganze Gegend von ihrem Lager über Bischofsheim aus, verheert und geplündert, und drohten nun unter ihrem Führer Reichwald auch der Stadt Kissingen mit einem heimlichen Ueberfall, der an einem Jahrmarkt geschehen sollte. Der Feind barg sich in dem nordöstlichen Bergwalde, wo ihn jedoch einige Krämer entdeckten, und den Kissingern die nahe Gefahr anzeigten. So kam es, daß der Feind tapfern Widerstand fand, der nun aber die Stadt mehrere Tage lang beschoß und sie durch einen Sturm zu gewinnen suchte. Kaum vermochten die kampfesmüden Einwohner dem immer heftiger andringenden Feind Widerstand zu leisten, als Peter Heil den Rath gab, die zahlreichen Bienenkörbe, welche die Bürger besaßen, von der Mauer hinab auf den anstürmenden Feind zu stürzen. Dieß geschah, und die Bienen, so gestört, fielen voll Grimm/ auf die Feinde und stachen manchen derselben bis zum Tode. Da ward schleuniger Rückzug anbefohlen, und die Stadt war gerettet, dem Peter Heil aber, dessen Rath ihr zum Heil geworden, setzten sie das verewigende Denkmal.