Ludwig Bechstein

Burg Auersberg

Auf einem Basalthügel zwischen Tann und Hilters, doch dem letztern Orte näher, stehen noch die Ruinen der ehemaligen Burg Auersberg. Ein reiches Geschlecht soll sie in Vorzeittagen bewohnt und die Gegend beherrscht haben, das in vielfache Fehden verwickelt gewesen, aber nunmehr gänzlich verschollen ist. Das waren die Herren von Nithardishausen. Im Jahr 1554 erbaute Bischof Albrecht von Würzburg hier ein neues Schloß, worauf Herren von der Tann später als Amtleute wohnten. Die Sage erzählt, daß der letzte Sproß des Geschlechtes der Herren von Auersberg eine kinderlose Wittwe war, die einsam in der öden Burg gewohnt. Eines Tages hatte sie eine Lustfahrt in der Gegend gemacht und kehrte heim, als ein starkes Gewitter sich in das Ulsterthal ergoß, wodurch der kleine, aber nach heftigen Wettergüssen oft sehr reissende Fluß mächtig anschwoll. Schon sah sie ihren heimathlichen Wohnsitz liegen, und gebot ihrem Kutscher, den Fluß an der gewohnten Stelle zu durchfahren; der aber weigerte sich deß, weil die Ulster allzuschnell durch das Thal schoß und übergetreten war. Die Herrin trieb ihn aber mit harten Worten an, hindurch zu fahren, und so gehorchte er zu ihrem Verderben. Die Wellen rissen den Wagen um, der Kutscher rettete sich mit den Pferden nur mit Noth, und die letzte Frau von Auersberg ertrank.

Nach andrer Sage aber hatte es mit dem Tode der letzten Herrschaft folgende Bewandtniß: Im Schweden/kriege nahm der letzte katholische Besitzer eine Abtheilung der Truppen in das Schloß, welche gegen die Schweden kämpften. Darüber aufgebracht, berannten die Schweden Auersberg und nahmen die Burg ein. Die Gemahlin des Ritters floh, fand aber in den Fluthen der angeschwollenen Ulster den Tod, wo noch ein Steinkreuz den Ort bezeichnet, an welchem sie mit ihrem Wagen versank. Der Ritter aber, der sein Schloß tapfer vertheidigt, ließ ein Fenster im Schloß ausheben, und sprengte, auf seinem Schimmel sitzend, durch die Oeffnung hinab in die Tiefe, wobei er jählings umkam.