Ludwig Bechstein

Der letzte Graf von Käfernburg wird in Georgenthal begraben

Graf Günther von der Käfernburg sah sich ohne Erben, und schied von seiner Hausfrau Mechtildis, eine Bußfahrt zum heiligen Grabe zu thun, viel/leicht daß sein Gebet an jenen geweihten Stätten ihm erringe, was beide Gatten so heiß ersehnten. Dieß war im Jahre 1385. Glücklich langte er in Jerusalem an, sah alle die heiligen Stellen, wo der Erlöser auf Erden gewandelt, und trat dann auch eine Wallfahrt zum Berge Sinai an. Dort auf dem St. Katharinenberge, der einen Theil des mächtigen Sinai bildet, überfiel plötzlich der Tod den frommen Grafen. Alle sein Land daheim fiel an den Landgrafen Balthasar von Thüringen; seine Gebeine wurden von den treuen Begleitern der schmerzenreichen Wittwe gebracht, und dann, nach seinem und ihrem Willen, nach Kloster Georgenthal abgeführt. Es war ein trauriger Zug, der sich von der Käfernburg herab, durch Arnstadt und durch Ohrdruf an diesen Ort bewegte, überall läuteten die Glocken, und alles Volk beklagte das Erlöschen des alten Stammes. Der Leichnam Günthers wurde an der Seite seiner Aeltern, die auch dort ruhten, beigesetzt. und so – singt ein vaterländischer lebender Sänger dem längst abgeschiedenen Pilger nach:
Und so ging von jenen Grafen,
Die Jahrhunderte hindurch
Herrschten – hier der letzte schlafen
Aus der alten Käfernburg.