Jakob und Wilhelm Grimm

415. Herkunft der Sachsen

Die alten Sachsen (welche die Thüringer vertrieben), ehe sie her zu Land kamen, waren sie in Alexanders Heer gewesen, der auch mit ihrer Hilfe die Welt bezwang. Da Alexander starb, mochten sie sich nicht untertun in dem Lande durch des Landes Haß willen und schifften auch von dannen mit dreihundert Kielen; die verdarben alle bis auf vierundfünfzig, und derselben kamen achtzehn gen Preußen und besaßen das Land, zwölfe besaßen Rugien und vierundzwanzig kamen hierher zu Lande. Und da ihr so viel nicht waren, daß sie den Acker möchten bauen, und da sie auch die thüringischen Herrn schlugen und vertrieben, ließen sie den Bauern sitzen ungeschlagen und bestätigten ihnen den Acker zu solchem Rechte, als noch die Lassen haben. Und davon kommen die Lassen, und von den Lassen, die sich verwirkten an ihrem Recht, sind kommen die Tagwerker.

Die Glosse führt das noch mehr aus und sagt: Da man sie aber berennen wollte, waren sie bereit und segelten hinweg. Daß die Kiel verdarben, kam davon, daß sie zu Wasser nicht schiffen konnten. Und der kamen achtzehn gen Preußen, da war noch ein Wildnisse. Diese sind da verwandelt in Heiden. Und zwölf kamen gen Rugien, und von denen sind kommen die Stormere und Ditmarsen und Holsten und Hadeler. Und vierundzwanzig kamen her zu Lande, die heißen noch die Steine, denn im Griechischen so heißt Petra ein Stein und Saxum ein Kieslingstein, und daher heißen wir noch Sachsen, denn wir sind geleichet den Kieslingsteinen in unsern Streitern.

Unter den Thüringern sind aber gemeint, nicht die da bürtig sind aus der Landgrafschaft von Thüringen, denn diese sind Sachsen, sondern die Notthüringer, das waren Wenden. Die heißen die Sachsen fortan Notdöringe, das ist soviel gesprochen als: Nottörichte oder Törichte. Denn sie waren streittoll und töricht.