Jakob und Wilhelm Grimm

391. Die Langobarden und Aßipiter

Bald nach Besiegung der Winiler mußten die Langbarten aus Hungersnot das Land Schoringen verlassen und gedachten in Moringen zu ziehen. Die Aßipiter (Usipeter?) aber widerstanden und wollten ihnen keinen Durchzug durch ihre Grenzen verstatten. Da nun die Langbarten die große Zahl der Feinde und ihre geringe sahen, sprengten sie listig aus, daß sie Hundsköpfe im Lager bei sich führten, das heißt ungeheure Menschen mit Hundsköpfen; die dürsteten nach Menschenblut und tränken, wenn sie keinen Feind erreichen könnten, ihr eigenes. Und um dies glaubhafter zu machen, stellten sie ihre Zelte weit auseinander und zündeten viele Feuer im Lager an. Die Aßipiter gerieten dadurch in Furcht und wagten nun den Krieg, womit sie gedroht hatten, nicht mehr zu führen. Doch hatten sie unter sich einen starken Mann, auf dessen Kräfte sie vertrauten; mit diesem boten sie den Langbarten einen Einkampf an. Die Langbarten möchten nämlich auch einen aus ihren Leuten, welchen sie wollten, wählen und ihrem Fechter entgegenstellen. Siegte der Aßipiter, so sollten die Langbarten auf dem Wege, den sie gekommen wären, wieder zurückwandern; würde er aber besiegt, so müßte ihnen der freie Durchzug gestattet werden.

Als nun die Langbarten anstanden, wen sie von ihren Männern dazu auswähleten, da bot sich einer aus der Knechtschaft von freien Stücken zum Kampf an und hielt sich aus, wo er den Feind besiegen würde, daß er und seine Nachkommen in den Stand der Freien aufgenommen werden sollte. Dies wurde ihm verheißen, er übernahm den Kampf und besiegte seinen Gegner. Seinem Wunsche gemäß wurde er darauf freigesprochen und erwarb den Langbarten freien Durchzug, worauf sie glücklich in das Land Moringen einrückten.