Jakob und Wilhelm Grimm

368. Die Seefahrt der Usipier

Eine Schar Usipier, von den Römern in Deutschland geworben und nach Britannien gebracht, beging ein großes und bewundernswürdiges Wagstück. Nachdem sie den Hauptmann und die Soldaten der Römer, welche unter ihren Haufen, um sie zum Dienst abzurichten, gemischt worden waren, getötet hatten, bestiegen sie drei leichte Schiffe, deren Steuerleute sie mit Gewalt dazu nötigten. Zwei derselben, die ihnen verdächtig wurden, brachten sie gleichfalls um und stachen mit dem einen Ruderer in die hohe See, ein wahres Wunder! Bald hier, bald dahin getrieben, hatten sie mit den britannischen Küstenbewohnern, die ihre Habe verteidigten, um Lebensmittel zu kämpfen; meistens siegten, einigemal unterlagen sie. Zuletzt stieg die Hungersnot so weit auf ihren Schiffen, daß sie erst ihre Schwachen und Kranken verzehrten, bald aber Lose darum zogen, wer den andern zur Speise dienen mußte. Als sie endlich Britannien umfahren und aus Unkunde der Schiffahrt ihre Schiffe eingebüßt hatten, wurden sie für Räuber angesehen und von den Sweben, dann von den Friesen aufgefangen. Einige darunter kamen verhandelt und verkauft hernachmals wieder in die Hände der Römer nach Italien, wo sie ihre merkwürdige Begebenheit selbst erzählten.