Jakob und Wilhelm Grimm

145. Verkündigung des Verderbens

Als die Magdeburger im Jahr 1550, am 22. September, mit dem Herzog Georg von Mecklenburg Schlacht halten sollten, ist ihnen bei ihrem Auszuge vor dem Dorf Barleben, eine Meile Wegs von der Stadt, ein langer, ansehnlicher, alter Mann, der Kleidung nach einem Bauersmanne nicht unähnlich, begegnet und hat gefragt, wo sie mit dem Kriegsvolk und der Kriegsrüstung hinausgedächten. Und da er ihres Vorhabens berichtet worden, hat er sie gleich mit aufgehobenen Händen herzlich gebeten und gewarnt, von ihrem Vorsatze abzustehen, wieder heimzukehren, ihre Stadt in acht zu nehmen und ja des Orts und sonderlich in dieser Zeit nichts zu beginnen, weil eben auch vor zweihundert Jahren die Magdeburger auf den St.-Moritz-Tag und an demselben Orte, an dem Wasser Ohra, geschlagen worden; wie ein jeder, der es wüßte, in der Tafel der St.-Johannes-Kirche zu Magdeburg lesen könnte. Und würde ihnen, wofern sie fortfahren, gewiß auch diesmal glücklicher nicht ergehen. Ob nun wohl etliche sich über das Wesen und die Rede des Mannes verwunderten, so haben doch ihrer sehr viel ihn gespottet und die Warnung höhnisch verlacht, von welchen Spöttern hernach doch keiner in der Schlacht unerschlagen oder ungefangen geblieben sein soll. Man sagt, er sei als ein gar alter eisgrauer Mann erschienen, aber solches schönen, holdseligen, rötlichen und jungen Angesichts, daß es zu verwundern gewesen. Und demnach es leider gefolgt, wie er geweissagt, hat man allenthalben Nachforschung nach solchem Manne gehabt, aber niemand erfahren können, der ihn zuvor oder nachher gesehen hätte.