Jakob und Wilhelm Grimm

130. Eppela Gaila

Vor nicht lange sangen die Nürnberger Gassenbuben noch diesen alten Reim:

»Eppela Gaila von Dramaus reit allzeit zum vierzehnt aus.«

und:

»Da reit der Nürnberger Feind aus, Eppela Gaila von Dramaus.«

In alten Zeiten wohnte im Bayreuthischen bei Drameysel (einem kleinen, nach Muggendorf eingepfarrten Dörfchen) Eppelin von Gailing, ein kühner Ritter, der raubte und heerte dort herum, und sonderlich aufgesessen war er den Nürnbergern, denen schadete er, wo er mochte. Er verstand aber das Zaubern, und zumal so hatt er ein Rößlein, das konnte wohl reiten und traben, damit setzte er in hohen Sprüngen über Felsen und Risse und sprengte es über den Fluß Wiesent, ohne das Wasser zu rühren, und über Heuwagen auf der Wiese ritt er, daß seines Rosses Huf kein Hälmlein verletzte. Zu Gailenreuth lag sein Hauptsitz, aber ringsherum hatte er noch andere seiner Burgen, und im Nu wie der Wind flog er von einer zur andern. Von einer Bergseite war er flugs an der gegenüberstehenden und ritt oftmals nach Sankt Lorenz in Muggendorf. Zu Nürnberg hielten ihn weder Burgmauern auf noch der breite Stadtgraben, und viel andere Abenteuer hat er ausgeübt. Endlich aber fingen ihn die Nürnberger, und zu Neumarkt ward er mit seinen Helfershelfern an den Galgen gehängt. In der Nürnberger Burg stehen noch seine Waffen zur Schau, und an der Mauer ist noch die Spur vom Hufe seines Pferdes zu sehen, die sich eingedrückt hatte, als er darüber sprang.