Gustav Weil

Vorwort des Übersetzers

Als ich im Jahr 1836 aus dem Orient zurückkehrte, wurde ich vom »Verlag der Klassiker« in Stuttgart aufgefordert, die Tausend und eine Nacht aus dem Urtexte zu übersetzen, und ich unternahm gern diese Arbeit, weil ich durch meinen längeren Aufenthalt in Ägypten dazu vorbereitet war und es für zweckmäßig hielt, daß einmal eine unmittelbar aus dem Arabischen fließende Verdeutschung an die Stelle der vielen Afterübersetzungen trete. Unglücklicherweise ist mein Streben in der ersten Auflage nur teilweise gelungen. Der Verleger wollte eine illustrierte Ausgabe veranstalten und mußte, um keinen Schaden zu haben, auf großen Absatz rechnen können. Ein damals viel gefeierter Schriftsteller wurde als Herausgeber gewonnen und, gleichsam als Patron des jungen unbekannten Orientalisten, beauftragt, eine »Vorrede« zu schreiben, und meiner sich dem Urtexte gewissenhaft anschließenden Übersetzung eine gefällige Form zu geben. Schon dieser Umstand mußte meiner Arbeit, hinsichtlich der philologischen Treue, nachteilig sein. Noch mehr wurde sie aber deshalb teils verunstaltet, teils gänzlich beseitigt, weil die Holzschnitte nach den französischen Übersetzungen gemodelt wurden und häufig zur meinigen gar nicht paßten. Ich war daher auch genötigt, um meinen Ruf als Orientalist zu decken, öffentlich zu erklären, daß die unter meinem Namen kursierende Übersetzung der 1001 Nacht nur teilweise als solche betrachtet werden dürfen. Die Verleger konnten indessen die Sache nicht mehr ändern und veranstalteten auch, gegen meinen Willen, eine zweite Auflage in 12. Inzwischen ist der Verlag in andere Hände übergegangen und auch die zweite Auflage, oder eigentlich der zweite Abdruck der ersten vergriffen worden. Obgleich nun der jetzige Verleger, unserm alten Vertrage gemäß, das Recht hatte, auch ohne meine Erlaubnis einen neuen Abdruck zu veranstalten, hielt er es doch für zweckmäßig, die Fehler seiner Vorgänger zu verbessern, indem er bei mir anfragte, ob ich mich nicht einer Revision, resp. Umarbeitung der 1001 Nacht unterziehen wollte, und da mir selbst viel daran liegen mußte, daß ein meinen Namen führendes Buch nicht für alle Zukunft verunstaltet bleibe, so war meine Antwort eine bejahende. Ich habe nun die ganze Übersetzung nochmals mit der Urschrift verglichen und wo sie mit derselben nicht übereinstimmte, geändert, und hatte bei meiner Umarbeitung jetzt den Vorteil, zwei inzwischen gedruckte Texte, den Breslauer, von Habicht und Fleischer und den Ägyptischen von Abd Errahman Assasati herausgegeben, benutzen zu können. In einem Punkte nur mußte ich mich den Wünschen des Verlegers fügen, indem ich gestattete, daß zwölf Erzählungen des dritten Bandes (von der Geschichte des Prinzen Zeyn Alasnam bis zu der der zwei neidischen Schwestern), obgleich ich wenig daran ändern konnte, weil sie in keinem der vorhandenen Texte sich finden, dennoch, der Vollständigkeit willen, wieder abgedruckt würden. Ich durfte mich um so weniger widersetzen, als diese Märchen mit zu den schönsten gehören und sich wahrscheinlich in dem nach Gallands Tod verloren gegangenen Bande der Pariser Handschrift befanden. Andere, nicht zur 1001 Nacht gehörende Erzählungen wurden beseitigt, alle übrigen aber teils umgearbeitet, teils neu übersetzt, und so mag denn der Leser dieses arabische Meisterwerk mit der festen Überzeugung hinnehmen, daß er sich an einer rein orientalischen Kost laben kann, wie sie im Morgenlande selbst von den öffentlichen Erzählern den sich um sie drängende Kreisen geboten wird.