Johann Heinrich Pestalozzi

Das Menschenvertilgen

Es entstand einst im weiten Reiche der Tiere ein großes Geflüster, sie müßten sich alle miteinander vereinigen, ihre grausamen Feinde, die allmörderischen Menschen, zu vertilgen.

Aber die Elefanten, die Löwen, die Tiger und die Bären wollten nichts mit dieser Vereinigung zu tun haben. Sie sagten: »Wenn uns jemand angreift, so wollen wir uns wehren.«

Die Schlange hingegen klagte über den Mangel an Gemeingeist unter den größeren Tieren und bot ganze Haufen Gift an gegen die Menschen.

Der Fuchs bot alle seine List an.

Der Esel meinte: »Wenn nur ein jedes Tier hartnäckig genug wäre, sich eher zu Tod schlagen zu lassen, als das zu tun, was die Menschen von ihm forderten!«

Die Kuh meinte: »Wenn nur ein jedes Tier sich Hörner aufsetzen ließe, wie sie ein Paar auf dem Kopfe trage, und dann dem ersten besten Menschen wenigstens eins davon in den Leib hineinstoßen würde, so könnte der Krieg mit den Menschen nicht fehlen.«

Der Affe sagte: »Wenn nur jedes Tier so ein paar Kletterbeine wie ich hätte, so könnten wir die Menschen ohne Gefahr von den Bäumen herunter mit Steinen zutot werfen.«

Das Stärkste aber trugen die Hunde an. Sie meinten, man könnte die Menschen mit dem Maulbrauchen vertilgen und behaupteten, diese ihrem Geschlechte eigene Kraft sei dem Menschen so fürchterlich, daß sich sicher eine Möglichkeit denken lasse, sie alle miteinander zu Tode zu bellen.

Es ist wahr, die tierische Natur hat große Mittel gegen das Menschengeschlecht in ihrer Hand, und ich muß gestehen, unter allen schien mir keines nachteiliger als das hündische Maulbrauchen.